Montag, 10. Februar 2014

Seltsame Phänomene auf deutschen Autobahnen

Eingestellt von Lana Silny um 19:57
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Seit einigen Jahren pendle ich jeden Morgen zwischem meinem Zuhause und meiner Arbeitsstelle hin und her. Zwangsläufig fahre ich dafür täglich einige Kilometer auf der Autobahn und immer wieder fallen mir bestimmte Sorten von Autofahrern auf, aus denen ich mir keinen Reim machen kann. Ich finde ihr Verhalten seltsam und werde nicht schlau aus ihnen.

Oder bin vielleicht doch ich diejenige, die seltsam ist? Keine Ahnung - aber vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen ...

Fangen wir an.

Ich-fahre-auf-der-Mittelspur-komme-was-wolle-TYP

Dieser nette Zeitgenosse fährt, wie es der Name schon sagt, von dem Moment an, an dem er auf die Autobahn auffährt, bis zur letzten Minute, bevor er Autobahn verlässt, auf der Mittelspur. 

Komme, was wolle und ohne Rücksicht auf Verluste. Ich will mich auch gar nicht daran aufhängen, dass wir in Deutschland das Rechtsfahrgebot haben, sprich zum Überholen gehts auf die mittlere und linke Spur. Wenn man fertig ist, ab zurück nach rechts. Ich kann ja verstehen, dass es in gewissen Situationen einfach nur nervig ist, immer wieder zurück auf die rechte Spur zu müssen - vor allem in den Rushours. 

Nein, was mich an dieser Sorte Mensch so verblüfft (und meistens auch ziemlich aufregt, ich gebe es ja zu!) ist, dass man selbst dann in der Mitte fährt, wenn rechts frei ist. Und nicht nur das - die Krönung ist, wenn die Person hinter dem Steuer auch noch beharrlich mit 80 km/h auf der Mittelspur fährt, wo 120 km/h erlaubt sind. Die Autos auf der rechten Spur düsen an dem Verkehrshindernis bereits munter mit 100 km/h vorbei, doch der Fahrer scheint komplett unbeeindruckt. 

Unschlagbar wird es allerdings, wenn der Mittelspurfahrer sein Tempo auf 60 km/h drosselt und ihn dann sogar noch die LKWs überholen. Das habe ich alles nicht nur einmal erlebt und kam so manches Mal aus dem Staunen nicht mehr raus.

Meine Recherche zum Rechtsfahrverbot hat sogar ergeben, dass wenn man sich nicht daran hält und andere Verkehrsteilnehmer behindert, das mit einer Strafe von bis zu 80 EUR geahndet werden kann. Ich habe mir schon überlegt, wenn (wie heute) rechts dann komplett frei ist, ich denjenigen dann einfach im zulässigen Tempobereich rechts überhole und weiter auf der rechten Spur bleibe. Aber eigentlich darf man rechts trotzdem nicht überholen. Auf der anderen Seite, so richtig überholt habe ich ihn dann ja nicht, oder? Ich schere ja nicht mehr vor ihm ein. Hm ... sie sind schon schwierig, diese Ermessensentscheidungen.


Wer auf Autobahnen oder außerhalb von Ortschaften auf Kraftfahrstraßen mit mehreren Spuren in einer Richtung fortgesetzt und grundlos die linke Spur benutzt und dadurch andere Verkehrsteilnehmer behindert, begeht einen Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot, der mit 80 € Bußgeld und einem Punkt geahndet werden kann. Das gilt auch auf Straßen (außerhalb geschlossener Ortschaften) mit mehr als zwei Fahrstreifen in eine Fahrtrichtung. Auch bei Straßen mit mehr als zwei Spuren muss grundsätzlich der rechte Fahrstreifen verwendet werden, allerdings ist durchgängiges Fahren auf der Mittelspur erlaubt, wenn in der rechten Straßenspur zumindest „hin und wieder“ ein Fahrzeug fährt, und keine Verkehrsteilnehmer behindert werden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfahrgebot


Wer mich aber noch mehr "beeindruckt" als der erste Typ Autofahrer ist der Reißverschlussverfahren-kenn-ich-nicht-TYP

Es ist Stau auf der Autobahn oder einer Bundesstraße und man versucht, mit  10-20 kmh auf die Autobahn zu kommen. 

Gelernt habe ich folgendes: Ich fahre bis ganz ans Ende der Auffahrt und dort setze ich den Blinker. Das Auto links neben mir, also auf der rechten Autobahnspur, lässt mich dann einfädeln. Alle sind glücklich, soweit man das im Stau sein kann, und der Verkehr fließt. Soweit die Theorie. 

In der Praxis passiert es mir aber immer wieder, dass die werten Autofahrerkollegen es gar nicht einsehen, bis ganz nach vorne zu fahren. Neeeeeeein. Warum auch? Da wird, sobald man auf der Auffahrt ist, komplett abgebremst, völlig egal, was hinter einem kommt. Als nächstes quetscht man sich in einer Rambo Manier auf die linke Spur (noch immer die rechte "normale" Spur der Autobahn), dass der arme Mensch neben einem Angst um seine Karosse haben muss, wenn er den Reißverschlussverfahren-kenn-ich-nicht-TYP nicht augenblicklich gewähren lässt. 

Ganz besonders interessant wird es dann, wenn die Autobahnauffahrt bestimmt 1,5 km lang ist, kein Stau herrscht und das Gefährt vor einem nach ca 200 Metern auf der Auffahrt plötzlich bis zum Stillstand bremst. Dann setzt der Fahrer den linken Blinker und bewegt sich nicht von der Stelle. So lange, bis er eine Lücke gefunden hat, in die er rein kann. Lustigerweise sind das meistens aber keine Porsche, BMW oder Daimler mit mächtig Pferden unter der Haube, sondern kleine Käsekisten mit 80 PS. Mutig sind sie schon - das muss ich zugeben! ;-)

Ganz herrlich finde ich aber, wenn ich mich im morgendlichen Stau anständig an die Verkehrsregeln halte. Sprich, ich wende die in der Fahrschule gelernte und oben beschriebene Technik an. Mindestens einmal in der Woche bekomme ich als Dank dafür den Vogel - oder noch viel schöner - den Stinkefinger gezeigt. Und das morgens um halb 8. Schöner kann der Tag doch nicht beginnen! :-D


Und nun zum letzten Exemplar: Ich-habe-etwas-in-deinem-Kofferraum-verloren-TYP

Wer bis hierher meinen Post gelesen hat, dem dürfte eines klar sein: Ich gehöre ganz sicher nicht zu den lahmen Autofahrern. Ich bin normalerweise kein Verkehrshindernis, versuche mich flüssig und zügig  - natürlich unter Einhalten der Verkehrsregeln - dem Verkehr anzupassen. Und trotzdem begegne ich ihnen immer wieder: den Dränglern.

Das Problem an den Dränglern, über die ich jetzt schreibe, ist für mich nicht lösbar, denn: Ich befinde mich bereits auf der rechten Spur und ich erkenne im Rückspiegel nicht einmal mehr die Scheinwerfer meines Hintermannes. 

Befände ich mich auf der linken Spur, würde ich nach rechts fahren, ihn vorbeizischen lassen und basta. Aber wo um alles in der Welt soll ich denn hin, wenn ich schon rechts fahre (wohlgemerkt keine 60 km/h) ;-) ... Auf die Standspur?

Nach solche Erfahrungen habe ich mir schon ein paar Mal überlegt, mir eigens für diesen Typ Autofahrer einen Aufleber anfertigen lassen. "Wenn du in meinem Kofferraum mitfahren willst, sags doch gleich." 


Ist das nur ein süddeutsches Phänomen oder kennt ihr das auch?

Herzliche Grüße, 

eure Lana


3 Kommentare:

Mareike on 10. Februar 2014 um 20:35 hat gesagt…

Hahahaha :D

Bei solchen Post muss ich mich wirklich immer köstlich amüsieren!

Aber so ziemlich jedes Phänomen ist mir auch schon hier am Niederrhein aufgefallen! Die meisten Autobahnen, die ich befahre, sind aber nur zweispurig. Da freut man sich dann doppelt wenn ein Opi mit 60 auf der rechten Spur tuckert und auf der linken kein Platz zum einscheren ist! Juhu!

Ach, diese Kofferraumtypen liebe ich auch. Immer sehr freundlich! Und ab und an sagen sie dir mit einer Lichthupe noch Hallo!

Liebste Grüße !

Lana Silny on 10. Februar 2014 um 20:47 hat gesagt…

Hihi - ja stimmt. Die Lichhubengeber sind die größten Herzchen!

Neulich habe ich mal einem Stinkefingerzeiger eine Kusshand zusammen mit meinem schönsten Lächeln zugeworfen. Dass der Herr nicht in sein Lenkrad gebissen hat, war alles. Aber an dem Tag war ich aber auch gut drauf ;-)

Das beruhigt mich zumindest, dass nicht nur die süddeutschen Autofahrer so drauf sind. ;-)

Ganz liebe Grüße zurück!

Gerhild hat gesagt…

Ha, ha, ich muss lachen. Und ja - meiner Meinung nach ist das total typisch deutsch. Komm doch bitte mal nach Vancouver, Canada zu mir, dann faehrst Du ganz gelassen und ohne Stress Auto. Wir haben sehr viele idiotische Fahrer, aber das ganze ist stressfrei dadurch, dass sich niemand aufregt. Ich kenne die Deutschen wohl sehr gut und die regen sich oft ueber Sachen auf die wie wir sagen wuerden "beyond our control" sind. Was soll denn das, ist doch egal was jeder macht, oder? Warum sich darueber stressen, da stresst man sich nur selbst und das sollte man wegen keinem Fremden machen. Wenn ich in Germany auf Urlaub bin und Auto fahre, schmunzle ich nur noch, warum auch aufregen, das bringt nichts und am Ende sind die Leute auch nicht schneller an ihrem Ziel. Leben und leben lassen, hat wohl was mit riesiger Toleranz zu tun bei uns.
Gruss
Gerhild

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